Jeannine Reiher

Artikel mit Tag Portrait

 

Exkurs: Alltag auf See (2)

Neben der Ernährung nimmt auch das Wäsche waschen einen besonderen Platz im Alltag ein. Da Wasser an Bord knapp ist, können nur kleine Teile von Hand gewaschen werden. Ursprünglich hatten die beiden Seefahrer vor, die Waschsalons in den Marinas zu nutzen oder auch Wäschereien aufzusuchen. Dies sei das übliche Vorgehen unter den Seglern, berichteten ihnen andere Reisende. Bald mussten sie jedoch feststellen, dass dies auf Dauer eine sehr aufwendige und teure Angelegenheit werden würde. Die Waschmaschinen in den Salons fassten meist nur eine kleine Füllmenge, die nicht im Verhältnis zu den 10 Euro stand, die pro Waschladung bezahlt werden mussten. In den Wäschereien wurde hingegen häufig nur mit einer Wassertemperatur von 30 Grad gewaschen, dafür aber mit viel Chemie. Fazit: die Wäsche wurde nicht richtig sauber.[...]



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Exkurs: Alltag auf See (1)

Auf einem Boot zu leben ist nicht einfach. Der zur Verfügung stehende Raum ist begrenzt, alles ist in Bewegung und muss gut befestigt werden. Die Ernährung spielt eine große Rolle, da Spontaneinkäufe entfallen. Ist man erst einmal auf See, müssen die Nahrungsmittel bis zum nächsten Hafen reichen und haltbar bleiben. Der Lebensmitteleinkauf muss sorgfältig geplant werden, wobei die örtlichen Gegebenheiten diese Planung schnell wieder zunichte machen können. Improvisationstalent ist gefragt. [...]



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Der östliche Atlantik

Es ist Mitte November. Die Vela liegt in der Marina Quinta do Lorde auf der Blumeninsel Madeira. Der Hafen ist gut belegt, da am nächsten Tag eine Rallye, die Transat, stattfindet. Eine gute Gelegenheit, sich die verschiedenen Segelboote anzuschauen und ein paar Fotos zu schießen. Für die Gäste wird ein Shuttleservice in das nahe gelegene Machico angeboten, den Marion und Holger am nächsten Tag gleich nutzen, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Die darauf folgenden Tage sind verregnet, und so sind die beiden froh, als ihre Bootsnachbarn sie mit ihrem Leihwagen nach Funchal mitnehmen. Ihre Eindrücke halten sie im Reisebericht fest: „Funchal, die Hauptstadt Madeiras, ist eine sehr grüne Stadt mit vielen kleinen Gassen, netten Geschäften und Cafés. Man empfindet keine Großstadthektik wie in anderen Hauptstädten, wenn man durch das Zentrum schlendert. Am Mittag füllen sich die Cafés und Restaurants mit Kreuzfahrttouristen, die hier für ein paar Stunden (!) an Land gehen. Gegen Abend wird es dann wieder leerer, und man kann das Lichtermeer der Stadt bis weit aufs Meer hinaus sehen.“ [...]



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Das Mittelmeer (3)

Am 16. Oktober überquert die Vela den Nullmeridian. Dunkle Wolken ziehen auf und künden von einem bevorstehenden Unwetter. Anfangs gelingt es den Seglern noch, mit Hilfe des Radars dem Gewitter auszuweichen, doch bald gibt es kein Entrinnen mehr. Starker Wind und heftiger Regen setzen der Besatzung zu. „Blitze schlagen um uns herum ins Wasser ein. Die See tobt. Der Tag wird zur Nacht“, schreibt Marion. Später berichtet sie mir, dieser Gewittersturm gehöre zu einem der aufregendsten Erlebnisse ihrer Reise. Der Autopilot lässt sich nicht ausschalten und muss über die Sicherung außer Betrieb gesetzt werden. Sachen fliegen durch die Luft, Wasser dringt in das Bootsinnere ein. Nach zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Der Wind hat sich ausgetobt, das Meer beruhigt sich. Der Autopilot hat jedoch den Geist aufgegeben. Holger und Marion müssen nun das Boot von Hand steuern, das sehr sensibel auf jede Bewegung reagiert. Anstatt Gibraltar auf direktem Weg anzulaufen, beschließen sie, zunächst an der spanischen Küste zu ankern. In San Jose ruhen sie sich erschöpft von den Strapazen aus und ziehen eine Schadensbilanz: „Autopilot defekt, Lazy bag (Segeltasche) gerissen, 1 Decklicht im Mast defekt, 1 Ankerlicht im Mast defekt, 1 Flaggenstock defekt, 1 großer Fleck auf dem neuen Teppichboden, Mannschaft: diverse blaue Flecken und eine Halsentzündung.“ [...]



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Das Mittelmeer (2)

Am 29. September brechen die beiden auf. Der Wind hat gedreht und verspricht ein gutes Vorankommen. Nachmittags ankert das Boot in der Dwejar Bay von Gozo, die von ohen Felsen umschlossen ist. Früh morgens segeln sie weiter nach Tunesien. Der Wind hat inzwischen nachgelassen, doch noch reicht die Meeresbrise, um den Katamaran voranzubringen. Im Laufe des Tages übernehmen dann die Motoren den Dienst. Am nächsten Morgen ist die tunesische Küste in Sichtweite, gegen 16:00 Uhr kann die Vela in den Hafen einlaufen. Etwas erstaunt stellen Marion und Holger fest, dass keiner von den Hafenarbeitern bereit ist, ihnen beim Festmachen zu helfen, wie es sonst eigentlich üblich ist. Einige Zeit später wissen sie auch, warum: es ist Ramadan, und mit hungrigen Mägen fällt die Arbeit schwer. In den nächsten Tagen lernen sie ihren tunesischen Bootsnachbarn kennen, der sich sehr hilfsbereit zeigt und sich auch mal als Reiseführer betätigt. [...]



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